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Interview:

„Mein Ziel heißt Athen“

Thomas Andergassen, STB-Turner, will zu den Olympischen Spielen

(Mit freundlicher Genehmigung des STB)

 
Thomas Andergassen, 20 Jahre, Kunstturner in der Bundesligamannschaft der EnBW KTV Stuttgart, gilt als eines der größten Talente in den Reihen des Schwäbischen Turnerbundes (STB). Der lange verletzte deutsche Schüler-Vizemeister des Jahres 1994 kann seit wenigen Monaten wieder schmerzfrei trainieren und belegte kurz vor Weihnachten mit seinem Team den dritten Rang in der Bundesliga-Endrunde.
Im Olympiakader-Lehrgang des DTB im Februar 2001 in Kienbaum wagte Thomas erstmals den spektakulären Dreifach-Salto am Boden.

Wenn auch vorerst noch von Akrobahn in Schaumstoffgrube, so ist es doch ein Zeichen der sportlichen Zielstellungen dieses jungen Mannes, mit dem sich Holger Schmidt (STB) unterhielt.

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  Welche sportlichen Ziele peilst Du an?
Mein Hauptziel ist die Weltmeisterschaft in Gent. Das wird zwar nicht einfach, aber wer 2001 in der
Nationalmannschaft dabei ist, hat beste Chancen für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. Das ist mein großes Ziel und da möchte ich auf jeden Fall hin. Los geht’s in diesem Jahr mit dem Weltcup-Turnier vom 15. bis 18. März in Paris. Dort sind Alexander Otto, ich und ein weiterer Nachwuchsturner für den Deutschen Turner-Bund am Start. Ich komme am Pferd, an den Ringen, vermutlich am Boden und vielleicht auch am Sprung zum Einsatz. Danach folgt im April die Bundesliga-Vorrunde.


Videoauswertung - gemeinsam mit Techniker Andreas Bronst, selbst Olympia-Silbermedaillengewinner 1980

  Kannst Du Beruf und Sport gut miteinander verbinden?
Ich habe im April Prüfung und wenn’s klappt dann meine Ausbildung als Bürokaufmann beim STB abgeschlossen. Daneben bleibt mir immer auch genug Zeit zum Training. Anschließend möchte ich in die Bundeswehr-Sportfördergruppe, um weiterhin optimale Trainingsbedingungen zu haben.

  Du warst lange verletzt. Was hattest Du?
Das war keine Verletzung im engeren Sinne, sondern Morbus Pertes. Das ist eine Wachstumsstörung in der Hüfte, die normalerweise im Alter zwischen acht und zwölf Jahren auftritt. 

Wer keinen Leistungssport betreibt, hat damit kaum Probleme. Ich jedoch konnte von 1997 bis Mai 2000 keinen einzigen Wettkampf turnen. Erst dann hat der Arzt wieder „Grünes Licht“ gegeben und ich habe seither keine Probleme mehr.

  Hast Du ans Aufhören gedacht?
Ehrlich gesagt nicht. Ich wusste zwar nie, ob ich überhaupt wieder in den Wettkampfsport zurückkomme, aber ich habe trotzdem jeden Tag trainiert. Nur Boden, Sprung und harte Abgänge von den anderen Geräten musste ich weglassen. Weitergeholfen hat mir jedoch vor allem meine Ausbildung beim STB. Das war das Beste, was ich machen konnte. Ich war sinnvoll beschäftigt und trotzdem immer nah am Turnen.

  Was macht für Dich die besondere Faszination des Turnens aus?
Turnen macht Spaß, es erfordert eine gute Körperbeherrschung, ist sehr anspruchsvoll und man muss auch mit dem Kopf bei der Sache sein.

  Wann hat Dich der „Turnvirus“ gepackt?
Ich habe schon im Alter von vier Jahren mit dem Turnen angefangen. Mein Vater war damals Übungsleiter im Verein und hat mich einfach mitgenommen. Mit acht Jahren geriet ich beim TV Kressbronn an Trainer Martin Kling, der mir sehr viel beigebracht hat, bevor ich 1996 nach Stuttgart wechselte.

  Hast Du auch andere Sportarten versucht?
Ich habe als Kind auch in einer Fussballmannschaft gespielt und bin sogar Slalom-Skirennen mitgefahren, da es aus meiner Heimatstadt Lindau nicht weit bis in die Berge ist.
  Und heute?
Da bleibt kaum noch Zeit für mehr als Turnen, höchstens ab und zu mal etwas Kicken oder am Wochenende Skifahren,  „just for fun“.

  Hast Du sportliche Vorbilder?
Jetzt eigentlich nicht mehr. Das ändert sich mit den Jahren. Aber früher waren das auf jeden Fall Andreas Wecker und natürlich Valeri Belenki. Er hat mir als Vereinskamerad viel gegeben. Klar schaue ich auch jetzt noch zu den beiden hoch. Jedoch weniger einzelner sportlicher Höhepunkte wegen, sondern eher wegen deren langjähriger, erfolgreicher Karrieren.

(Dieses Interview führte Holger Schmidt/STB 
und erschien im STB-Magazin Heft 04, 17.02.2001.
Mit freundlicher Genehmigung des STB)  

Siehe auch: DTB-Olympiakader Lehrgang Februar 2001)

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