Medaillenkrimi
im Meisterkampf:

(Mo, 6.Dezember 1999)
Verletzte Helden
Die Kunstturner des SC Berlin werden
Dritte in der Mannschafts-Meisterschaft
(von Christian Ewers)
Nur Andreas Wecker hatte keinen
Durst. Nachdem er seinen Auftritt am Reck beendet hatte, musste er einem Fernsehteam
erklären, wie dieses Ergebnis zu Stande kam: Sieg gegen TK Hannover und damit Platz drei
bei der deutschen Mannschafts-Meisterschaft. "Ich bin glücklich", sagte Wecker,
"wir hatten viel Pech in der letzten Zeit und sind trotzdem noch weit gekommen."
Auch Trainer Siegfried Wüstemann erzählte am Sonnabend viel von Pech
und Unglück. "Es war eine sehr schwierige Saison", sagte Wüstemann und
schüttelte mit dem Kopf. "Umso mehr freue ich mich über den dritten Platz."
Sieben Wochen auf Krücken
Die Berliner Kunstturner waren als Titelverteidiger in die Meisterschaft gestartet. Doch
schon vor dem ersten Wettkampf stand für Andreas Wecker fest, dass dieser Erfolg nicht zu
wiederholen sein würde. Der ehemalige Mannschaftskapitän des Berliner SC, Peter
Nikiferow, hatte seiner Riege eine Absage erteilt, mit der Begründung, er wolle
sich intensiv auf große Wettkämpfe vorbereiten. Darüber ist Wecker, der neue Kapitän,
immer noch "verärgert, weil wir mit Nikiferow hundertprozentig Meister geworden
wären."
Es blieb nicht allein bei dem Ausfall von Nikiferow: Ende Mai erlitt Robert Hirsch
einen Riss der Achillessehne, er musste sieben Wochen auf Krücken laufen und befindet
sich bis heute in der Rehabilitation. Hinzu kamen Verletzungen bei Daniel Farago
und Dimitri Nonin, die beide über Fußprobleme klagten. Beim klaren Erfolg gegen
die Gäste aus Hannover traten die Berliner mit drei gehandicapten Turnern an, selbst
Robert Hirsch wurde für zwei Geräte eingeteilt. "Die Verletzen sind meine
Helden", sagt Siegfried Wüstemann, "die Jungs sind geturnt, obwohl sie
Schmerzen hatten." Dass Robert Hirsch in der Riege stand, war den einfühlsamen
Worten von Wüstemann und Wecker zu verdanken. Hirsch, der in seiner Karriere immer wieder
mit bösen Verletzungen zu kämpfen hatte, wollte nach dem Achillessehnenriss eigentlich
mit dem Turnen aufhören. "Robert war total frustriert", sagt Wecker. "Aber
der Trainer und ich haben ihn noch mal heiß gemacht."
Andreas Wecker selbst war am Sonnabend ebenfalls nicht frei von gesundheitlichen
Problemen. Nachdem der Kapitän seine Interviews gegeben hatte stürmte er aus der Halle.
"Hab noch einen Termin", sagte Wecker hastig. "Muss zum Zahnarzt, zwei
Stunden Wurzelbehandlung."
(Artikel in der Berliner Zeitung vom 6.
Dezember 1999
(Siehe auch Bericht von der
Finalbegegnung: SC Cottbus - EnBW KTV Stuttgart)
|