1. KUNSTTURN
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BUNDESLIGA 

SC COTTBUS  - EnBW STUTTGART
- FINALTAG DER MEISTERRUNDE 1999 -
(04-12-99)
- in Kolkwitz bei Cottbus -

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Ein drittes Mal und als Hochzeits-Geschenk

Die Turner des SC Cottbus wurden überraschend deutscher Mannschaftsmeister

Berühmte Sportdörfer hat es zu alten Zeiten im Osten Deutschlands eine Menge gegeben. Trinwillerhagen wurde das Domizil des Pferdsports, in Unterschönau trafen sich die Leichtathleten, in Ströbeck war alles in das Schach verliebt oder in Mühlleithen erwarb man sich Weltruhm mit berühmten Damenskilanglaufrennen. Ein neues Sportdorf ist mit Kolkwitz vor den Toren Cottbus’ erstanden. Fritz Handrow, der umtriebige Bürgermeister war schneller als sein berühmter Amtskollege in der nahen einstigen Bezirksstadt und ließ für 5,5 Millionen DM mit Unterstützung neuangesiedelter Unternehmen ein Center errichten, das zu einem Schmuckstück und Anziehungspunkt geworden ist. Karneval und Tanz, Ausstellungen und Handball, Kongresse und Turn-Bundesliga. Mit dem lichtdurchfluteten quadratischen Hauptsaal, in welchem durch zwei Schiebewänder drei separate Volleyball-Spielfelder entstehen können, hob man den Bekanntheitsgrad und kurbelte das Geschäft an. "So etwas freundliches und helles erlebt man selten", lobte deshalb auch Weltenbummler Karl-Heinz Zschocke, langjähriger Präsident des Technischen Komitees Männerturnen in der FIG. Am 30. April 1997 war der "Kolkwitzer Dorf-Palast" eingeweiht worden. Fassungsvermögen: 700 Zuschauer.

In diesem Kleinod wurden die Turner des SC Cottbus am Sonnabend deutscher Mannschaftsmeister.
Es war die dritte Krone nach 1991 und 1992. Damals, nach dem Vereinigungs-Prozess kein Wunder, denn der SC Cottbus war die Hochburg des DDR-Männerturnens und Sylvio Kroll ihr berühmtester Turner, Weltmeister, Europachampion, olympische Medaillengewinner. Doch der Titelgewinn diesmal war eine Riesenüberraschung, weil die Cottbuser nämlich für die deutsche WM-Riege im Oktober in Tianjin kein Mitglied stellten und zum Finale gegen die hochfavorisierten und hochkommerzialisierten Stuttgarter mit einer Zehner-Riege antraten, in der ein paar Turner standen, die den Zuschauern und selbst den Fachleuten kein Begriff waren.

Doch auf junge Burschen wie Robert Juckel und Andre Wetzel setzte Cheftrainer Bernd Heide und wurde mit seinem Trainer Gunter Schönherr, seit 22 Jahren in Cottbuser Diensten und 1973 einmal DDR-Vize im Pferdsprung, belohnt. Die Lausitzer schlugen die Schwaben mit 214,575 zu 213,55 Zählern, und da zum gleichen Zeitpunkt der SC Berlin den Geheimtip TK Hannover glatt austurnte, konnten die 700 Zuschauer euphorisch ihre Mannen feiern.

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Bernd Heide als neuer Ehemann ... als Tränentröster für seinen Enkelsohn ... als Großvater

Für Heide war es ein nachträgliches Geschenk.
Er hatte am 4. November in aller Stille seine Schulliebe an der Kinder- und Jugendsportschule Forst, die frühere Weltklasseturnerin Karin Jorzik, geheiratet. Er ist der Vater des Cottbuser Männerturnens, deren Abteilung er Ende der siebziger Jahre, Anfang der achtziger vom Punkte null neu aufgebaut hatte. Von seinen Fähigkeiten erfuhr einst auch DTSB-Präsident Manfred Ewald und kommandierte sich den Cottbuser zum neuen DTV-Generalsekretär nach Berlin. Doch dieser lehnte das angetragene Amt ab, worauf ihn der allmächtige Präsident von der Westreise-Liste des auch international geschätzten Kampfrichters strich.

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Stuttgarts Trainer
Anatoli Jarmowskij

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Trainer Gunter Schönherr (Cottbus)

Heide ist heute froh, daß es so gekommen ist. Er hat im Cottbuser Umfeld immer Freunde gehabt, die ihn auch nach den politischen Veränderungen die Treue hielten. Er hätte auch das Zeug, Sportdirektor im DTB zu werden. Doch mit einem Anruf sollte man sich in Frankfurt am Main bescheiden. "Ich bleibe in Cottbus, so lange ich lebe - und so lange es meine Frau will."
Zu denen, die ihn am Sonnabend spontan gratulierten, gehörte auch Stuttgarts Trainer Anatoli Jarmowski.
Der hatte 1980 in Moskau Alexander Ditjatin zum Mehrkampf-Olympiasieg geführt und war 1988 von den Schwaben verpflichtet worden. Deren Aufschwung ist vor allem sein Verdienst. Seine Bindung zur alten russischen Heimat hat der 61jährige nicht abreißen lassen. Sein Sohn lebt in Sewastopol, bei einer Reise nach St. Petersburg verabsäumt er es nie seinen einstigen Meisterschüler zu besuchen. Der ist leitender Offizier auf dem Flughafen - in der Zollabteilung.

Hans-Jürgen Zeume


pulsar_rot_blau.gif (1701 Byte) Wettkampfreport Cottbus - Stuttgart

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von Hans-Jürgen Zeume

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-ehe/fn/hjz-  04-12-99